Geschichte

Die Ernstfarm

wurde 1878 als Musterfarm nach Englischem Vorbild von Herzog Ernst II (* 21. Juni 1818 in Coburg; † 23. August 1893) errichtet und 1879 fertiggestellt.
Hierbei wurde das Hauptaugenmerk auf die industrielle Erwirtschaftung und Verarbeitung von Agrargütern gelegt. Der Vorzeigebetrieb moderner Landwirtschaft ging 15 Jahre nach der Farm Callenberg (heute Waldorfschule) in Betrieb. Beide Domänen in herzoglichem Besitz waren einmal Wallfahrtorte von Agrarspezialisten: Zentrale Dampfmaschine, Wasserversorgung, Brennerei, Stallbelüftung, Milchkühlung, sind nur einige technische Details.

Ernstfarm Luftbild

Die Musterfarmen sind dem Zusammenspiel von Prinzgemahl Albert und  seinem Bruder Ernst II. zu verdanken. Sie sind in weiten Teilen Kopien englischer Landwirtschaftsbetriebe. Insbesondere die Ernstfarm entspricht der weithin gerühmten Osborne-Farm auf der Insel Wight. Von Prinz Albert ist überliefert, dass er sich intensiv um die Nutzung von Dampfkraft einsetzte, die über ein System von Transmissionsriemen diverse Maschinen antreiben konnte. Im Keller unter dem Gutshaus der Ernstfarm befand sich beispielsweise ein Springbrunnen, dessen Verdunstungskälte die Milch kühlte. Schiebetore zu den Ställen ermöglichten dosiertes Belüften. Abwurfschächte für das Viehfutter, ein Schienensystem für Loren, in denen das Viehfutter direkt vor die Viehmäuler geschoben wurde, ein durchdachtes Leitungssystem für Frischwasser aus eigener Quelle – dies sind nur einige von damaligen Zeitgenossen bestaunte Finessen.

Die Ernstfarm ging 1920 aufgrund des Staatsvertrags mit Bayern, der die Eingliederung des Herzogtums Coburg regelte, in das Eigentum des Freistaates über. Zu Beginn der 1920er Jahre wurden die Scheunen im Südwesten erweitert und die Schweine-, Rinder- und Pferdeställe verändertet. 1953 und nochmals 1968/69 erfolgten größere Umbauten in der Brennerei und den Stallungen. 1976 schließlich sprengte man den Schornstein, da er durch die Aufgabe der Dampfmaschine und der Brennerei überflüssig geworden war.

Der ehemalige Schweinestall, sowie das Hauptgebäude mit seinen Nebengebäuden sind noch in ihrem Ursprungsbestand erhalten. Alle anderen Gebäude sind im Laufe der letzten 130 Jahre um-, aus- oder dazugebaut worden.

Rund 120 Jahre nach Inbetriebnahme sind der Ernstfarm von 137 Hektar Fläche noch rund 83 Hektar geblieben. Das Demo, die Realschule II, die Sonneberger Straße, die Heinrich-Schaumberger Schule und große Teile der Judenberg-Bebauung stehen auf früherem Farmgelände.

Immer mehr Gebäude wurden nicht mehr benötigt und standen leer, bis 2003/04 die Umnutzung der Ernstfarm in einen Handwerkerhof mit Lehrlingsunterkünften mit den entsprechenden Umbau- und Instandsetzungsmaßnahmen, dem Einbau einer Gaststätte und eines Mehrzweckraumes im Bereich der ehemaligen Lehrküche erfolgte. 2007 befinden sich 14 Betriebe aus den Bereichen Gastronomie, Handwerk, Naturkost, Design, Raumausstattung und Pferdehaltung auf der Ernstfarm. Trotz der baulichen Veränderungen sind die architektonischen Details der Anlage noch gut erkennbar.